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Wiesestraße muss lebendig bleiben

Freitag, den 09. November 2007 um 18:39 Uhr

Eine Grundsatzentscheidung über die Aufnahme der Wiesestraße in das sogenannte Stadtbahnprogramm kann im Moment von niemandem angestrebt werden, der seine Entscheidung verantwortlich treffen will. Es gibt zwar schon zeichnerische Überlegungen, wie eine Umsetzung dieses Beschlusses aussehen könnte. Und ich habe viel Verständnis dafür, dass die Gewerbetreibenden diese Überlegungen mit Besorgnis verfolgen. Denn „Stadtbahn“ heißt, dass die Straßenbahn in einen erheblichen Umfang ein eigenes Gleisbett bekommt, dass also von der ca. 14,50 m breiten Straße 6,50 m nur noch der Straßenbahn zur Verfügung stehen. Der verbleibende Rest muss dann Gehweg, Radweg, Fahrbahn und Parkgelegenheit aufnehmen. Daraus den Schluss zu ziehen, dass der Autoverkehr aus der Straße in erheblichen Umfang verdrängt wird, ist nahe liegend. Ob dies die Wohnqualität in Debschwitz verbessert, wenn ein Teil dieses verdrängten Verkehrs sich dann durch die Professor-Simmel-Straße bewegt, ist eher zweifelhaft.


Leider liegen auch keine konkreten Zahlen vor, so dass man abwägen könnte, wie sinnvoll denn die Stadtbahnüberlegungen tatsächlich sind. Ich nehme aber die Sorgen der Gewerbetreibenden sehr ernst. Und natürlich ist es zunächst gut, wenn Fördermittel in die Stadt fließen. Wobei noch sehr zweifelhaft ist, ob denn tatsächlich nach dem Großprojekt „Stadtbahnlinie 1“ die Fördermittelgeber wieder ein Großprojekt in Gera fördern würden. Wenn aber diese Fördermittel letztlich zu einem Händlersterben in der Wiesestraße führen, haben wir die Fördermittel teuer bezahlt. Schon die Schließung der Wiesestraße hat die Gewerbetreibenden massiv beeinträchtigt. Eine weitere – vermeidbare – Belastung dürfen wir ihnen nicht zumuten. Die Gewerbetreibenden sind in unserer eher strukturschwachen Stadt unentbehrliche Arbeitgeber und natürlich auch wichtige Steuerzahler. Die Händler wissen am besten um ihre Kundenstruktur. Und sie wissen auch, mit welchem Verkehrsmittel die Kunden ihre Geschäfte erreichen.


Es ist meine Überzeugung, dass es falsch wäre, das Auto in der Stadt Gera noch mehr zurückzudrängen. Im Gegenteil, manche vermeidbare Behinderung müssen wir überdenken, um die Menschen auch mit dem Auto in die Stadt zu holen. In der Wiesestraße wird derzeit eher das Auto durch die Straßenbahn beeinträchtigt als umgekehrt.


Um aber die Diskussion zu versachlichen und vorwärts zu bringen, ist es erforderlich, dass zunächst die genauen Entscheidungsalternativen herausgearbeitet werden. Also zunächst mit den Betroffenen gemeinsam die tatsächlich ernsthaft in Betracht kommenden Varianten untersuchen, und dann die Entscheidung treffen. Denn wenn die Entscheidung gegen die „Stadtbahn“ fällt, müssen wir uns rechtzeitig um die Bereitstellung der finanziellen Mittel kümmern, die die Wiesestraße sowieso braucht. Denn auch die gegenwärtige Parksituation muss natürlich geändert werden. Das halblegale Parken ist keine Dauerlösung.
Vor diesem Hintergrund ist eine Grundsatzentscheidung „Wiesestraße als Stadtbahn“ im Moment nicht verantwortlich. Es müssen erst die Karten auf den Tisch.

Norbert Hein
CDU-Kreisvorsitzender
und OB-Kandidat

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